Das Leben des Buddha Sakyamuni

Das Leben des Buddha und sein Weg zur Befreiung, lässt sich mehr als 25 Jahrhunderte in der Geschichte zurückverfolgen. "Der Lauf von Buddhas Leben - vom privilegierten Prinzen zum wandernden Bettelmönch bis zum spirituellen Lehrer für die Welt - beschreibt einen Weg der radikalen Selbsttransformation, der die Menschen in Indien, Tibet und auf der ganzen Welt auch heute noch inspiriert." [ Quelle: Karmapa 900 Jahre...]

"Urteile nicht zu hart über dich selbst. Ohne Mitgefühl mit uns selbst, sind wir außerstande, die Welt zu lieben."

Der Buddha

Buddha Sakyamuni wurde als Sohn von Königin Mahamaya und König Shudhodana von Kapilavastu in einer Vollmondnacht im Mai, etwa 563 vor unserer Zeitrechnung in Lumbini geboren. Lumbini liegt in der Himalaya-Region nahe an der heutigen Grenze von Indien und Nepal. Bevor dieser Königssohn vollständige Buddhaschaft erlangte war sein Name Prinz Siddhartha.

Wie damals üblich, befragten die königlichen Eltern angesehene Weise über die Zukunft des jungen Prinzen. Diese Weisen sagten dem Ehepaar zwei Lebenswege voraus. Wenn Siddhartha im Palast bliebe, würde er ein machtvoller, weltlicher König werden, der sogar noch den Einfluss, sowie das Ansehen und die Stärke seines Vaters überträfe. Wenn er dem königlichen Leben im Palast den Rücken kehrte, würde er ein großer spiritueller Führer werden, der alles Bisherige bei weitem überträfe. Auf Grund dieser Prophezeiung war der Vater sehr bestrebt, seinen Sohn als weltlichen König zu erziehen und er hielt ihn von allen äußeren Einflüssen fern. So führte der junge Prinz ein privilegiertes Leben eines königlichen Thronfolgers. Mit ... Jahren/ Als junger Mann heiratete Siddhartha seine Frau Yasodhara und das junge Paar hatte einen gemeinsamen Sohn.

All diese Annehmlichkeiten und Vergnügungen im Palast konnten jedoch Siddhartha nicht zufrieden stellen und so bat er den Palast zu verlassen, um sich einmal in der näheren Umgebung umzusehen. In der naheliegenden Stadt wurde er zum ersten Mal mit den Begebenheiten von Alter, Krankheit und Tod konfrontiert. Dies war ein großer Schock für den Prinzen, da er bisher nur das luxuriöse und ausschweifende Leben im Palast seines Vaters kannte. Spontan erkannte Siddhartha, dass alles im Leben von Leiden durchdrungen ist. So beschloss er heimlich dem königlichen Leben zu entfliehen um sich auf die Suche zumachen, nach dauerhaftem Glück und geeigneten spirituellen Lehrern, die ihm diesen Weg weisen sollten. Siddhartha lebte mutig und entschlossen als Wandermönch und begab sich unter sehr strenge und asketische Praktiken. Nach sechs Jahren erkannte er, dass all diese Mühen nicht der Weg zur vollständigen Befreiung und zur Beendigung des Leidens sind. Er wanderte nach Bodhgaya, setzte sich in tiefer Meditation unter einen Baum, mit der Verpflichtung, sich nicht eher zu erheben, bevor er die vollständige Erleuchtung erreicht hätte. Am nächsten Morgen erhob er sich als vollkommen erwachter Buddha.

Die Lehre des Buddha

Nach seiner Erleuchtung begann der Buddha nicht sofort zu lehren. Er vertrat zunächst sogar die Auffassung, dass wohl niemand seine revolutionären Einsichten und tiefen Erfahrungen verstehen würde. So verließ er Bodhgaya und begab sich auf Wanderschaft. Vermutlich auch, um in Ruhe eine Eingebung für diese Schwierigkeit zu finden, seine Erkenntnisse und Erfahrungen auf geeignete Weise allen darzulegen die hierfür offen sind.

Sieben Wochen später, nach großem und eindringlichem Flehen von Brahma doch bitte zu lehren, gab der Buddha im Hirschpark von Sarnath den ersten von insgesamt drei Lehrzyklen. Diese erste Lehrrede, klassisch als das erste Drehen des Dharma-Rades bezeichnet, handelt von den Vier Edlen Wahrheiten.

1. Buddha erklärte, dass alles im Leben unzulänglich und leidvoll ist. 2. Er erläuterte präzise die Gründe und die Ursachen die dazu führen. 3. Buddha gab weiterhin die frohe Botschaft, dass das Leiden und die Unzulänglichkeit beendet werden kann. 4. Und abschließend lehrte Buddha Sakyamuni den Weg und die Methode um dauerhaftes Glück zu erlangen. Auch hier legte er genau da, wie alles Leidvolle und Unzulängliche vollkommen überwunden werden kann.

Dieses erste Drehen des Rades der Lehre, wird allgemein der großen Lehrtradition des Theravada zugeordnet. Sie ist vornehmlich in Südost-Asien und Sri Lanka verbreitet und wird auch als grundlegendes Fahrzeug bezeichnet.

Später auf dem Geierhügel, drehte Buddha Sakyamuni das zweite Mal das Rad der Lehre. Er lehrte, aufbauend auf seinem ersten Lehrzyklus, wie die wahre Natur der Wirklichkeit eigentlich ist. Der Sanskrit-Begriff hierfür ist Sunyata. Traditionell wird dies im Deutschen als Leerheit und im Englischen mit Emptiness übersetzt. Diese im Westen übliche Übersetzung führt jedoch leicht zu großen Missverständnissen und oftmals zu noch mehr Unverständnis. Sunyata kann nicht in einem Begriff in eine andere Sprache transferiert werden. Es gibt für uns kein passendes Äquivalent. Es meint vielmehr eine Substanzlosigkeit als auch Offenheit. Zudem: Rein intellektuell und mit einem gewöhnlichen Geist ist Sunyata nicht zu erfassen und entzieht sich jeglicher Begrifflichkeit. Sunyata kann nur erfahren werden.

Der Buddha drehte das Rad der Lehre ein drittes Mal in Vaishali und auch an weiteren Orten. Er legte in diesem Lehrzyklus einer ausgewählten Zuhörerschaft die "letztendliche Bedeutung" seiner Lehre da. Alles was der Buddha bis dahin gelehrt hatte, klassifizierte er als "hinführende Bedeutung". Dieses zweite und dritte Drehen des Dharma-Rades wird dem Mahayana oder auch dem großes Fahrzeug zugeordnet.

45 Jahre lang übertrug der Buddha durch die Drehungen des Dharma-Rades alles was nötig war um den tiefgründigen Weg zum Frieden und immerwährendem Glück zu gehen. Dabei war eines der herausragenden Fähigkeiten des Buddha mit großer Geschicklichkeit, gemäß den Bedürfnissen, Notwendigkeiten und Neigungen seiner Hörerschaft zu lehren. Seine unglaubliche Einfühlsamkeit resultiert in einer wahrhaft großen Anzahl von Belehrungen, welche als Sutras bekannt und überliefert sind. Es wird gesagt, es gäbe 84.000 solcher Unterweisungen. Einem besseren Verständnis sei hier angemerkt: Traditionell symbolisiert die Zahl 84.000 in Indien eine unermessliche, fast endlose Anzahl. Im Alter von 83 Jahren verschied der Buddha in Kushinagar. Jedoch nicht ohne seine Schüler zu bitten noch letzte ungeklärte Fragen an ihn zu richten. Seine letzten überlieferten Worte waren: "Mönche, vergesst nie, dass allen zusammengefügten Dingen Verfall innewohnt. Deshalb übt fleißig".

Buddha der Erneuerer

"Indem Buddha die Wahrheit lehrte, die er unter dem Bodhi-Baum erkannt hatte, eröffnete der Buddha Indien und darüber hinaus der ganzen Welt, nichts Geringeres als ein neues Bewusstsein. Seine wesentliche Botschaft - dass Erleuchtung und andere Formen spiritueller Verwirklichung allen Menschen unabhängig von Klasse, ethnischer Herkunft und Geschlecht zugänglich seien - stellte ein Verständnis des menschlichen Potentials dar, das sich von dem grundlegend unterschied, welches das vorherrschende religiöse System der indischen Gesellschaft dieser Zeit vertrat. Während das Studium der Veden damals nur bestimmten Kasten und dann auch nur ihren männlichen Mitgliedern vorbehalten war, und während man nur bestimmte Männer für fähig hielt Befreiung zu erlangen, bot Buddha den Dharma allen an, die er traf. Ob hohe oder niedrige Stellung, ob reich oder arm, ob Mann oder Frau. Dieser universelle Zugang zu den Lehren war die logische Folge aus den grundlegenden Wahrheiten, die der Buddha lehrte: dass die Ursachen für Glück und Leiden im Geist einer jeden Person liegen und dass alle, die mit einem Geist ausgestattet sind, dieselbe Fähigkeit haben, sich selbst vom Leiden zu befreien und dauerhaftes Glück zu erlangen.

Mit dieser radikalen Vision des spirituellen Potentials entstand eine neue Sozialordnung: der Sangha. Dieser Sangha wurde von Buddha gemäß den in seinem Dharma gelehrten moralischen Werten aufgebaut. Die Sangha-Gemeinschaft war nach sozialen und philosophischen Grundsätzen organisiert, die in der damaligen auf Kasten beruhenden Gesellschaftsordnung gänzlich unbekannt waren. Am wichtigsten war nicht mehr, wie man geboren wurde, sondern wie man sein Leben lebte. Tatsächlich war der Mönch, der als Hüter von Buddhas Vinaya diente - Vinaya ist der Korpus von Regeln und Texten, die das monastische Leben bestimmen - selbst in eine der niedrigsten Schichten der indischen Gesellschaft, nämlich in die Unterkaste der Barbiere geboren worden. Der Buddha entschied, diesen Barbier vor der Gruppe seiner eigenen Cousins zu ordinieren, die ja alle Sakya-Prinzen waren. Und er bestand anschließend darauf, dass sich die Prinzen sämtlich vor dem neu ordinierten Barbier niederwarfen, da er vor ihnen allen die Gelübde abgelegt hatte.

Genauso revolutionär war Buddhas Gründung eines Frauenordens. Die indische Gesellschaft dieser Zeit bot Frauen keine Möglichkeit der spirituellen Aktivität außerhalb der häuslichen Sphäre. Vor diesem Hintergrund und viele Jahrhunderte, bevor Frauen in den westlichen Gesellschaften vergleichbare Möglichkeiten bekamen, schuf der Buddha nicht nur Platz für Frauen in seinem Sangha, sondern ging auch, wie der Vinaya wiederholt zeigt, entschieden dabei vor, die Würde seiner Nonnen angesichts des Widerstands in der Gesellschaft zu verteidigen.

Als soziale Institution erwies sich diese monastische Gemeinschaft als außergewöhnlich wirksames Fundament, um das Fortbestehen des Dharma in Indien sicherzustellen und um den Dharma anderen Gesellschaften zu vermitteln. sowohl die Bhiksu- als auch die Bhiksuni-Orden hielten den gewaltigen Veränderungen, welche die Indische Gesellschaft durchlief, im Laufe der nächsten 1500 Jahre stand. Während der Buddhadharma auf dem ganzen indischen Subkontinent aufblühte, durchdrangen Buddhas Lehren das indische Leben auf unzählige Weisen und hinterließen tiefe und bleibende Spuren in Kunst, Literatur, Ethik, Logik, Medizin, in den Formen der Königsherrschaft und in der Religion des Landes." [Quelle: Karmapa 900 Jahre...]

Frühe Verbreitung - Die Konzile

"In der ersten Zeit nach Buddhas Mahaparinirvana [Anmerkung: der endgültige unsterbliche Zustand] kam es zur Umorganisation des Sangha. Es wurden vorsichtige Schritte unternommen, um den Fortbestand der Orden sowie der Lehren des Buddha zu sichern. Nur wenige Monate nach dem Tod ihres Lehrers versammelten sich 500 Arhats in Rajagrha, um sicherzustellen, dass die Sammlung der lehrreden, die sie von da an weitergeben würden, auch wahrhaftig widerspiegelten, was der Buddha gelehrt hatte. In dieser Versammlung, die später als Erstes Konzil bezeichnet wurde, rezitierten die Halter der drei großen Sammlungen von Lehren, auch Körbe genannt, alle Texte aus dem Gedächtnis. Nur jene Lehren, die von allen Anwesenden als authentisch befunden wurden, wurden dann offiziell als Lehren des Buddha anerkannt.

Zu Lebzeiten hatte der Buddha seine Ordensmitglieder dazu ermutigt, hinauszugehen und den Dharma überall zu verbreiten, aber er verlangte auch von den Mönchen und Nonnen, dass sie sich während der drei Monate Regenzeit zum gemeinsamen Retreat versammelten. Damit unterstützte er den Fortbestand und Zusammenhalt des Sanghas, während er es gleichzeitig ermöglichte, dass sich die Reichweite des Dharma vergrößerte. Im Laufe der Zeit kam es mit dieser räumlichen Verbreitung jedoch zu Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Interpretation von verschiedenen Punkten der Ordensdisziplin sowie der Lehre. Das Erste Konzil hatte einen Präzedenzfall geschaffen, wie man, anstatt dass eine einzige Am zweiten Jahrhundert nach Buddhas Mahaparinirvana, als es erhebliche Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die zehn Punkte der Ordensdisziplin gab, wurde ein zweites Konzil in der Stadt Vaisali einberufen. nach diesem Zweiten Konzil spaltete sich eine Gruppe von Mönchen, die als Theravada (Sanskrit: Sthavira) bekannt wurde, von der Hauptgruppe (Mahasanghika) ab. So begann der schrittwiese Prozess der Herausbildung unterschiedlicher buddhistischer Schulen. Als die Klostergemeinschaften auch räumlich voneinander getrennt wurden, kam es zu weiteren Spaltungen, bis schließlich 18 verschieden Schulen entstanden. Eine solche Vermehrung der Schulen wurde durch die große Vielfalt der Belehrungen unterstützt, die der Buddha zu verschiedenen Anlässen vor unterschiedlicher Zuhörerschaft gab. Auch wenn jede der 18 Schulen ihre eigenen, einzigartigen Interpretationen von bestimmten Punkten der Lehre und Disziplin bewahrte, so folgten doch alle demselben grundlegenden Buddhadharma." [Quelle: Karmapa 900 Jahre...]

Der Mahayana-Buddhismus

"Zu Beginn des ersten Jahrtausends hatten sich viele der 18 Schulden herausgebildet und gediehen in ganz Indien. die Sarvastivada-Schule hatte sich von der Theravada-Schule abgespalten und in Nordindien und Zentralasien etabliert. Diese Schule hatte wichtige Zentren in Kaschmir, Gandhara und Mathura, die zu bedeutenden Produktionsstätten von buddhistischer Kunst und Texten werden sollten. Die Sarvastivada-Schule war zwar mit der Mulasarvastivada verbunden, deren Vinaya später in Tibet übernommen wurde, unterschied sich aber von ihr und war bekannt für die wissenschaftliche Untersuchung von Buddhas Lehren. Die philosophischen Schulen der Vaibhasika und Sautrantika entstanden beide in von der Sarvastivada-Schule dominierten Gebieten, womit diese Schule einen bleibenden Einfluss auf das buddhistische Gedankengut hatte.

Als Lehrer, der sehr auf die besonderen Bedürfnisse und Fähigkeiten seiner Zuhörerschaft achtete, bot der Buddha im Laufe seine Lebens bestimmten Zuhörerinnen und Zuhörern gewisse Darlegungen seiner Lehren an und anderen nicht. Im 1. Jahrhundert begann man eine Reihe von Lehrreden offen zu lehren, die als Mahayana-Sutras bekannt waren und die zuvor nur in bestimmten Kreisen überliefert wurden. Diese Entwicklung konzentrierte sich auf Südindien und besonders auf das heutige Andhra Pradesh, wo Arya Nagarjuna geboren wurde und studierte. Zu den Mahayana-Sutras, die in dieser frühen Phase offen in Umlauf gebracht wurden, gehörten das Lotus-Sutra und die Prajnaparamita-Sutras. Beide Texte wurden bald intensiv auf dem indischen Subkontinent und bis nach Zentralasien hinein von Buddhisten rezitiert, studiert und verehrt.

Als die Mahayana-Sutras immer mehr an die Öffentlichkeit gelangten, verfasste Nagarjuna seine außerordentlich einflussreichen Abhandlungen über die Madhyamaka (Mittler Weg)-Sichtweise von Buddhas Philosophie, wie sie in den Prajnaparamita-Sutras niedergelegt war. Nagarjunas Schüler Aryadeva setzte diese Richtung fort und ihm folgte eine lange Reihe von bedeutenden Denkern wie Bhavaviveka, Buddhapalita und Candrakirti, die alle ihre eigenen Schriften über Madhyamaka beisteuerten. In der Zwischenzeit entwickelte sich eine zweite Strömung der philosophischen Interpretation, die Cittamatra oder Yogacara (Nur Geist)genannt wurde und auf anderen Mahayana-Sutras und Abhandlungen beruhte. Der große Asanga und sein Bruder Vasubhandu waren wichtige Vertreter dieser Sichtweise.

Im frühen ersten Jahrtausend entwickelte sich eine Bewegung rund um die neu zugänglichen Mahayana-Sutras, die Laien- und ordinierte Buddhisten gleichermaßen mit der Lehre inspirierten, dass vollkommene Buddhaschaft für alle Lebewesen möglich sei. Es wurden bedeutende Kommentare und Verstexte zur Erläuterung des Bodhisattva-Pfades verfasst, und alle wurden ermutigt, sich auf diesen zu begeben." [Quelle: Karmapa 900 Jahre...]

Tantra und die Nalanda-Epoche

"In der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends war in Nordindien die Entwicklung von großen buddhistischen klösterlichen Einrichtungen zu beobachten. Diese Einrichtungen boten neben meditativer Praxis die Möglichkeit zu gründlichem wissenschaftlichem Studium. Unter solchen Klosteruniversitäten waren Nalanda und Vikramasila im Heutigen Bihar führend, gefolgt von Otantapuri und Somapuri. Diese erreichten ihre Blütezeit unter der Schirmherrschaft der Gupta-Dynastie, welche in Indien vom 4. bis zum 8. Jahrhundert herrschte, und gediehen weiter während der Pala-Dynastie, die vom 8. bis zum 12. Jahrhundert an der Macht war.

In der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends war in Nordindien die Entwicklung von großen buddhistischen klösterlichen Einrichtungen zu beobachten. Diese Einrichtungen boten neben meditativer Praxis die Möglichkeit zu gründlichem wissenschaftlichem Studium. Unter solchen Klosteruniversitäten waren Nalanda und Vikramasila im heutigen Bihar führend, gefolgt von Otantapuri und Somapuri. Diese erreichte ihre Blütezeit unter der Schirmherrschaft der Gupta-Dynastie, welche in Indien vom 4. bis zum 8. Jahrhundert herrschte und gediehen weiter während der Pala-Dynastie, die vom 8. bis zum 12. Jahrhundert an der Macht war.

Diese Epoche in der buddhistischen Geschichte deckte sich mit einer wachsenden Sichtbarkeit des Tantra in Indien. Die Tantras wurden zunächst, ähnlich wie die Mahayana-Sutras, geheim überliefert. zu den weit auseinander liegenden Orten ihrer frühen Überlieferung gehörten Amaravati im heutigen Andhra Pradesh und Oddiyana im nordwestlichen Pakistan. Vom 3. bis zum 6. Jahrhundert wurde Tantra vermehrt offen gelehrt und ab dem 7. Jahrhundert gehörten die tantrische Praxis und Bilderwelt zum öffentlichen Erscheinungsbild in Indien.

Die Aufzeichnungen von chinesischen Mönchen, die während des 5., 6. und 7. Jahrhunderts auf ihrer Pilgerschaft und zum Studium nach Indien kamen, stellen eine unverzichtbare Informationsquelle zur Praxis des Buddhismus in Indien während dieser Epoche dar. Xuanzang (Hsuan Tsang), ein chinesischer Mönch des 7. Jahrhunderts, berichtet, dass zur Zeit seines Aufenthaltes in Indien nur vier der ursprünglichen 18 Schulen des Buddhismus eine starke Präsenz bewahrt hatten. Seine Beschreibungen des Lebens im Nalanda-Kloster, wo er fünf Jahre lang studierte, belegen die bemerkenswerte Toleranz und Vielfalt. das Kloster beherbergte mehrere tausend Bewohner, wobei Mitglieder unterschiedlicher Schulen - die daher verschiedenen Vinayas folgten - alle in einer einzigen Einrichtung, die Anhänger des Mahayana beherbergte, studierten und praktizierten. Zahlreiche andere historische Quellen berichten, dass in Nalanda auch Tantra praktiziert wurde.

Während in Nalanda und anderen Klöstern also Tantra praktiziert wurde, entwickelte sich über die Jahrhunderte auch außerhalb der Klöster eine lebendige Tradition yogischer Praxis. Die Geschichte verzeichnet 84 Mahasiddhas mit besonders hohen Verwirklichungen, wobei Kaschmir im Nordwesten Indiens im Laufe der Jahrhunderte eine besonders hohe Dichte an solchen Praktizierenden aufzuweisen hatte.

Nalanda und Vikramasila, die zwei hohen Säulen der buddhistischen Gelehrtheit und Praxis, wurden Ende des 12. Jahrhunderts beide von türkischen Invasoren zerstört, womit dem Dharma in Indien ein vernichtender Schlag versetzt wurde. Am Ende des 13. Jahrhunderts waren die letzten verbliebenden Dynastien in Indien - die Pala-Dynastie in Bengalen und die Sena-Dynastie in Bihar - beide den islamischen Invasoren zugefallen. Als die buddhistischen Mönche die für den Dharma unempfänglichen Gebiete verließen, wurden diejenigen, die den Himalaya nach Tibet überquerten, herzlich willkommen geheißen. Tatsächlich war das westliche Königreich Guge zuweilen von solchen Flüchtlingen überschwemmt." [Quelle: Karmapa 900 Jahre...]

Die Verbreitung nach Tibet

"Während dieser Blütezeit der Nalanda-Epoche in Indien kam der Buddhadharma auch zum ersten Mal in den Norden und fand auf der tibetischen Hochebene fruchtbaren neuen Boden. Alle Elemente des Buddhismus, die während der Nalanda-Epoche in Indien vorzufinden waren, wurden nach Tibet überliefert. Das Ordensleben, das auf der Praxis des Vinaya, auf wissenschaftlichem Studium, der Analyse von Mahayana-Abhandlungen und tantrischer Meditation beruhte, etablierte sich ab dem 7. Jahrhundert auf tibetischem Boden. Danach bildete Tibet den Ausgangspunkt für eine weitere Verbreitung des Dharma in die Mongolei, in die Teile des heutigen Russlands und über die ganze Himalaya-Region.

Während der ersten sechs Jahrhunderte der Verbreitung des Dharma in Tibet blieb der Buddhismus in Indien eine lebendige Tradition und ermöglichte eine langfristige, direkte Verbindung zwischen den beiden Kulturen. Indische Meister reisten nach Tibet, um dort persönlich zu lehren, während sich immer mehr Tibeter buddhistischen Texten, dem Studium und der Praxis zuwandten, in den großen Kloster Universitäten studierten und sich intensivem Training bei großen Meistern außerhalb der Klöster widmeten. Auf diese Weise fand der Dharma vor seinem Niedergang in Indien ein aufnahmebereites neues Zuhause im Land des Schnees." [Quelle: Karmapa 900 Jahre...]

Die Essenz der Lehre des Buddha

"Die Lehren des Buddhismus sind letztlich keine Religion, sondern eine Wissenschaft des Geistes."

Der 14. Dalai Lama


Als Buddhisten erwarten oder glauben wir nicht, dass Glück oder Unglück durch die Geschicke von Buddha kommen. Auch wäre es irrig anzunehmen, dass wenn wir meinen ihn zu erfreuen, der Buddha unsere Wünsche erfüllen wird.

Die Möglichkeit glücklich zu sein oder Befreiung zu erlangen, liegt ganz allein in unserer Hand. Nämlich indem wir uns seine Lehre zu Herzen nehmen und diese ganz in seinem Sinne anwenden. Ohne eine klare Ausrichtung und ohne seinen gewiesenen Weg zu praktizieren, dürfen wir keine Befreiung erwarten. Es liegt somit allein bei uns, ob wir Glück oder Leiden finden möchten. Buddha Sakyamuni wies den individuellen Weg zur Befreiung, indem er allen nachkommenden Generationen den kostbaren Dharma vermachte.

"Die Essenz des Buddhismus ist, einen Zustand dauerhaften Glücks zu entdecken und zum Nutzen und Wohl anderer zu arbeiten. Auf diesem Weg sind Weisheit und Mitgefühl untrennbar. Nach und nach kommen wir - durch einen Prozess des Forschens und Erkundens - schrittweise dem Verstehen der Wahrheit näher."

Der 17. Karmapa - Die Zukunft ist Jetzt - Seite 202


"Den Weg zu erforschen heißt, das Selbst zu erforschen. Das Selbst zu erforschen heißt, das Selbst zu vergessen. Das Selbst zu vergessen heißt, sich von allen Dingen erleuchten zu lassen."

Zen-Meister Dogen


Und "ich möchte sagen, dass die Essenz der Lehren Buddhas in zwei Sätzen zu finden ist: Hilf anderen, falls möglich. Falls das nicht möglich ist, füge zumindest niemanden Schaden zu."

Der 14. Dalai Lama - So einfach ist das Glück - Seite 102


"Im Grunde gibt es in der buddhistischen Praxis nur zwei Dinge zu tun: 1. Alles Negative zu reinigen, loszuwerden und auszulöschen, und 2. Die positive Seite zu entwickeln und zu verstärken. Man könnte somit die Gesamtheit des Buddhismus in einem Satz zusammenfassen: Versuche alles Negative loszuwerden und das Positive zu entwickeln."

Ringu Tulku Rinpoche


"Wenn du das Geheimnis des Buddhismus wissen möchtest hier ist es: Alle Dinge sind im Herzen."

Ryokan | Japanischer Zen-Meister im 18. Jahrhundert


Abschließend möchten wir Buddha selbst zitieren, der die Essenz seiner Lehre folgendermaßen beschreibt:

"Das Unterlassen von allem Schlechten, das Ausführen von dem was heilsam ist, das Reinigen des eigenen Geistes: Das ist die Lehre des Buddha."

Dhammapada 183


Schlussbemerkung

"Als der Buddha den Schatten des Bodhi-Baumes verließ und begann, den Dharma für das Wohlergehen der Welt zu lehren, setzte er eine komplexe Kette von Ereignissen in Gang, die sich noch heute, 2500 Jahre später entfalten. Bis zu dem Zeitpunkt, als sich die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen veränderten, unter denen der Buddhismus in Indien gedeihen konnte, hatte der Subkontinent erfolgreich als Ausgangsbasis für die Verbreitung von Buddhas Lehren in weite, neue Gebiete gedient - sie erreichten Sri Lanka und Burma, Thailand und Kambodscha, China und Korea, Vietnam und Japan, und schließlich Tibet und das weite Gebiet unter dessen kulturellem Einfluss.

Heute wird der Dharma, den der Buddha auf den Straßen und in den Dörfern des alten Indien verkündete, in öffentlichen Auditorien gelehrt, im Fernsehen gesendet oder live über das Internet übertragen und kann somit potentiell alle Teile des Planeten erreichen und das Herz eines jeden leidenden fühlenden Wesens berühren." [Quelle: Karmapa 900...]

Lernen von Buddha
Im Dialog mit dem Dalai Lama

"Was hat Weisheit mit Glauben zu tun? Wie können wir die Welt besser verstehen? Ist unsere Suche nach dem Glück eine Illusion? Welche neuen Werte brauchen wir? Gert Scobel hat ein intensives Gespräch mit dem Dalai Lama geführt.

Unsere moderne Gesellschaft braucht Überlebenskünstler, also Menschen, die sowohl mit als auch ohne Arbeit schwierige Zeiten überstehen können. Zudem haben alle Menschen das Bedürfnis, glücklich zu sein. Doch wie lässt sich beides - ein Streben nach Verwirklichung von Menschlichkeit und Glück und die harten Marktmechanismen - miteinander verbinden?

Auf die wesentlichen Fragen unserer Zeit hält das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus Antworten parat, die zum Nachdenken zwingen. Über unsere moderne Gesellschaft, die Wissenschaften und die Religionen. Ein Gespräch - in dem nicht nur die Weisheit des Dalai Lama beeindruckt, sondern auch sein tiefgründiger Humor." [Quelle: 3sat]

"LERNEN VON BUDDHA - Im Dialog mit dem Dalai Lama" auf 3SAT

Kurze Geschichte des Buddhismus

Sehenswerter 3Sat Beitrag der Themenreihe:
Kurze Geschichte des Buddhismus
Buddhismus heute